Working Beardie?

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...oder der andere Weg

Auf der Suche nach einem Welpen, der sowohl meinen optischen (kein zu üppiges Fell) als auch meinen charakterlichen (wesensfest, arbeitswillig) Vorstellungen entsprechen sollte, bin ich vor über 7 Jahren auf die „Raving Spirits“ gestoßen. Fotos können ja viel versprechen, aber live haben sie mich dann völlig überzeugt. Speziell Angus hat sich von Anfang an in mein Herz geschlichen. Ein sehr charmanter, überaus freundlicher und im wahrsten Sinne umwerfender Beardie. Ein kleiner Macho, so wie meiner Meinung nach ein Rüde sein muss. Er sucht von sich aus keinen Ärger, steht aber seinen Mann, wenn es drauf ankommt.

Leider war bei den „Raving Spirits“ für diese Zeit kein Wurf geplant. So sind wir zu Pebbles gekommen.
Der ausschlaggebende Punkt war, dass die Mutter von Pebbles, die Schwester von Easy ist. Wir hatten uns erhofft, dass die Welpen mehr Richtung „Devilish Angels“ gehen. Denn die Verpaarung an sich entsprach nicht so ganz unseren Vorstellungen, kam denen aber, aufgrund der mütterlichen Linie, zu dem damaligen Zeitpunkt am nächsten. Wir haben diese Entscheidung keine Sekunde bereut. Pebbles ist einfach unser kleiner Schatz. Sie hat sich zu einer sehr selbstbewussten, sicheren, arbeitsbegeisterten, sozialen und überaus liebevollen und verschmusten Hündin entwickelt. So ist schließlich unser Plan B gereift. Ein Wurf mit Pebbles und Angus.

Angus‘ Vorfahren sind zum Teil aus Arbeitslinien; . sein Vater Wolfie stammt aus der Zucht von Lynne Sharpe, die in ihre Linie Working Beardies (Definition Working Beardie und Wege des Bearded Collies) eingekreuzt hat. Wir haben uns allerdings bewusst für Angus (und nicht für seinen Vater Wolfie) entschieden, da wir auch Skye, die Mutter von Angus, kennen. Ein „Showbeardie“, aber eine absolute Ausnahme: atemberaubend schnell, selbstbewusst, von den Linien her sehr nahe am Ursprung und ein kleines bisschen wahnsinnig. Also genau das, was mir gefällt. Im Gegensatz zu Angus` Vater Wolfie, den ich von der Arbeit her leider nicht kenne, weiß ich von Angus, dass er ein absoluter Workaholic ist. Genauso wie seine Brüder und seine Schwester.

Die Voraussetzungen für diesen Wurf waren somit bestens. Was aber letztendlich dabei herauskommen würde … das stand in den Sternen. Zumal eine solche Verpaarung unterschiedlicher Linien in jeglicher Hinsicht für Überraschungen gut ist. Ein gewisses Risiko war also dabei, was wir aber gerne eingegangen sind, da wir von beiden Hunden vollkommen überzeugt sind.

Und die Welpen – sie sind anders. Schon mit vier Wochen waren es selbstbewusste und willensstarke Persönlichkeiten.

YlvieYlvie neugierig, immer an erster Stelle und durchsetzungsstark,

AnthonyAnthony, der kleine Charmeur, der seine Zuneigung gleichermaßen auf beide Schwestern verteilt hat, bei Neuem immer erst einmal überlegen musste und nie etwas unbedacht machte, und Aine, die in dieser Dreierkonstellation mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn immer vermittelnd den Ton angegeben und in allem sehr selbstständig agiert hat.

Keiner gleicht dem anderen und auch vom Wesen her haben sie von allem ein bisschen mitbekommen. Es ist fast schon Tradition, dass bei den Wolfie-Nachkommen immer ein Rüde Wolfie sehr ähnelt. Bei den „Raving Spirits“ ist das Angus, bei uns Anthony UND Aine.

Anthony hat zwar fast die identische Zeichnung von Angus und auch seinen Körperbau, kommt aber vom Wesen her sehr nach seiner Mutter. Sie haben die gleiche, liebevolle Art und schaut man in sein Gesicht, schaut man in Pebby´s Gesicht. Bei Ylvie wurde irgendwie eine Generation übersprungen. Sie könnte eine Schwester von Oma Skye sein. Klein, drahtig und immer Vollgas. In ihrer ganzen Art aber absolut die Mama. Kuschelig, verschmust und eigenwillig.

AngusAnthonyYlvieSkyeLinks: Anthony und Angus | Rechts: Ylvie und Skye

Ja und Aine … die ist die etwas leichtfüßigere Version ihres Vaters. Sie haben die gleiche Mimik, die gleiche Körperhaltung und das gleiche sehr kurze Fell. AineAngusDie Power, Schnelligkeit und Wendigkeit hat sie wohl von ihrer Oma Skye. Und Pebbles? Die hat ihr die Farbe gegeben. Aber… Pebbles hat sich Aine ausgesucht. Irgendwie hat sie mit ihr immer ein bisschen mehr gespielt und gekuschelt und auch Aine hat immer ihre Nähe gesucht. Also war es eine gemeinsame Entscheidung von Pebby und mir, dass dieses verrückte braune Ding bleiben darf.

Bei Aine musste ich meine Erziehungs- und Ausbildungsmethoden komplett neu überdenken. Sie ist eine sehr gewissenhafte Hündin, die ihre Arbeit sehr ernst nimmt. Agility ist für sie quasi kein Hobby, sondern Arbeit, die pflichtbewusst erledigt werden muss. Sie gibt immer 100 %, egal wie oft wir etwas wiederholen müssen. Ihre Selbstständigkeit ist Vorteil und Hindernis zugleich. Sie lernt unglaublich schnell, lässt sich aber ungern helfen, was zu einigen Auseinandersetzungen zwischen uns geführt hat. Sie hatte andere Vorstellungen als ich, was sie sehr deutlich gezeigt hat.

Sie ist eine mentale Herausforderung. Kein Hund für jedermann. Bei ihr muss man konsequent, fair und berechenbar sein. Nur so kann man sich ihren Respekt erarbeiten. Und hat man den einmal, kann man sich keinen besseren Partner vorstellen. Sie ist absolut loyal, ebenso berechenbar und stellt einmal Geklärtes nie wieder in Frage. Aber bis dahin ist es eben ein oftmals steiniger Weg.

Das hört sich alles schwierig an, ist es aber dann nicht, wenn man diese Aufgabe annimmt. Man wächst schließlich an selbiger. Nur sollte einem eben bewusst sein, dass pflegeleichtes Fell nicht gleich pflegeleichter Hund bedeutet. Mir ist wichtig, dass diese Themen offen angesprochen werden, so dass nicht von falschen Voraussetzungen ausgegangen wird. Denn sonst wird weder der Mensch noch der Hund glücklich und das ist das oberste Gebot.

Copyright und Text by Marion Sihler