Zuchtphilosophie

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Oder... Warum Easy nicht für die Zucht eingesetzt wird

Schweren Herzens haben wir uns entschieden, Easy nicht für die Zucht einzusetzen.

Sie verkörpert für mich den perfekten Beardie. Sie hat eine schlanke, drahtige Figur, das optimale Längen-/Grössenverhältnis, ein wunderbares Pigment und ein kurzes, harsches Fell mit wenig Unterwolle. Sie schäumt über vor Temperament, ist für jeden Spass zu haben, hat einen unbändigen Arbeitswillen und ist andererseits eine grosse Schmusemaus. Wenn sie einen mit ihrem Lady-Di-Blick anschmachtet, muss man einfach dahinschmelzen ;-)

Alles in allem ein perfekter Hund und meine Seelenverwandte sowieso aber leider gibt es noch eine andere Seite.

So schnell und sensibel wie sie auf das kleinste Kommando hört so sensibel reagiert sie auf Geräusche. Wobei sie sehr unterscheidet. Staubsauger, Düsenjets, klappernde Mülleimer, Baustellenlärm – alles kein Problem. Aber wehe es fällt ein Schuss. Dann bricht bei ihr die Panik aus. Das ist keine normale Angst mehr. Sie ist in dieser Situation nicht mehr ansprechbar und ein komplett anderer Hund. Nicht mehr die fröhliche Easy sondern ein zitterndes Häufchen Elend. Ich war oft nahe dran zu verzweifeln. Am schlimmsten war für mich, dass ich sie da nicht rausholen konnte obwohl wir so eine enge Bindung haben. Bei ihr legt sich in diesem Moment ein Schalter um.

Inzwischen können wir beide damit sehr gut umgehen. Wir haben ziemlich viele, namhaften Trainer verschliessen aber letztendlich hat nur eins zum Erfolg geführt – ich hab sie so angenommen wie sie ist. Nicht mehr versucht sie zu ändern sondern zusammen mit ihr an den Ängsten gearbeitet. Ihr viel erklärt und die Situation geschildert. Ganz bestimmt versteht sie das nicht wortwörtlich aber sie schaut mich an, wie wenn sie es verstehen würde. Sie nimmt es leichter. Die Beziehung ist noch inniger geworden.

Wir sind durch ein Tal der Tränen gegangen aber gestärkt daraus hervorgekommen. Durch Easy habe ich sehr viel gelernt, was ich nicht missen möchte. Aber ich wünsche es keinem Anderen. Wir möchten durch die Zucht die Rasse verbessern und für mich gehört das Wesen ganz entscheidend dazu. Es wurde in der Vergangenheit eh schon viel nach Aussehen selektiert.

Die Vererbung von Aggression ist wissenschaftlich nachgewiesen bzw. es gibt eine Studie darüber. Bei Geräuschempfindlichkeit gibt es so eine Studie nicht. Dieses Experiment möchten wir jedoch nicht eingehen. Selbst wenn es sich nicht vererbt, so werden die Welpen von der Mutter geprägt und schauen sich Verhaltensweisen ab.

Zudem haben wir Easy auf eine Schilddrüsenunterfuktion (SDU) untersuchen lassen. Dreimal! Ihr Wert lag jedes Mal im alleruntersten Referenzbereich (1,0 bei 1,0-4,5). Viele Symptome der SDU treffen bei Easy zu. Hibbeligkeit, Angstverhalten bis hin zu Panik, nimmt trotz viel fressen nicht zu, Ohrenentzündungen, schlechte Wundheilung, verlangsamter Herzschlag, hecheln in Ruhephasen ohne erkennbaren Grund (Wärme, Stress, Schmerzen etc.), phasenweise schlechte Fellqualität, nackter Bauch, dünne Ohrbehaarung, grosser nackter Nasenspiegel, ausbleibende Läufigkeit.

Woher die SDU kommt, wird wohl nicht nachzuweisen sein. Ihre Schwester ist davon nicht betroffen. Ebenso ist nicht eindeutig erwiesen, ob eine SDU vererbbar ist. Aber das Risiko ist einfach zu gross. In der Zucht sollte immer nur das Beste der Rasse im Vordergrund stehen. Der eigene Egoismus darf nicht das ausschlaggebende Argument sein.

Mit Easy bin ich gewachsen. Sie hat mir einen Spiegel vorgehalten. Ohne sie, würde ich nicht da stehen, wo ich heute bin. Sie ist mein Seelchen, mein "Once-in-a-Lifetime-Hund".

Noch eine Anmerkung, ich persönlich bin nicht der Meinung, dass die Schilddrüse alleine für diese Verhaltenweise verantwortlich ist. Da spielen sehr viel mehr Faktoren eine Rolle. Wenn man sich ein bisschen näher mit dem Thema befasst, ist es sehr komplex und tiefgehend.

Update 2016:
Easy wurde, wie meine anderen Hunde auch, auf Rohfütterung umgestellt. Ihre Schilddrüsenwerte haben sich ohne Medikamente verbessert. Aber... was noch viel wichtiger ist, sie ist viel ausgeglichener, in sich ruhender geworden und kann mit Stress viel besser umgehen. Es ist nur eine Theorie und nicht nachgewiesen aber wahrscheinlich konnte sie die im Fertigfutter enthaltenen (künstlich hergestellten) Vitamine und Nährstoffe nicht richtig verwerten.